Deutschland fordert Iran soll für die Minenräumung in der Straße von Hormus zahlen

Deutschland fordert: Iran soll für die Minenräumung in der Straße von Hormus zahlen

Deutschlands jüngste Position im Streit über die Minenräumung in der Straße von Hormus verleiht der ohnehin angespannten diplomatischen und militärischen Lage eine neue finanzielle Dimension. Berlin signalisiert nicht nur die Bereitschaft, sich unter bestimmten Voraussetzungen an einer Räumungsmission zu beteiligen, sondern vertritt nun auch die Auffassung, dass Iran die Kosten der Operation tragen sollte. Begründet wird dies damit, dass die Minen in einem Seegebiet gelegt worden seien, dessen Sicherheit Teheran mitverantwortet.

Eine deutlich schärfere deutsche Position

Bundesaußenminister Johann Wadephul hat einen direkten Zusammenhang zwischen Verantwortung und Kosten hergestellt. Nach seiner Auffassung sollte Iran die Kosten für die Minenräumung in der Straße von Hormus übernehmen.

Damit geht Deutschland einen Schritt weiter als bisher. Berlin hatte bereits zuvor betont, dass eine Beteiligung deutscher Streitkräfte nur dann möglich sei, wenn sowohl Washington als auch Teheran zustimmen und ein eindeutiges völkerrechtliches sowie politisches Mandat vorliegt.

Diese Argumentation ist von erheblicher Bedeutung, weil Deutschland damit nicht länger nur als möglicher Teilnehmer einer Mission auftritt, sondern selbst politische Bedingungen für die Sicherheitsordnung nach einem Konflikt formuliert.

Die Botschaft Berlins lautet: Wenn Iran durch sein Handeln die Gefahr verursacht hat, sollte das Land nicht nur einer Minenräumung zustimmen, sondern auch deren Finanzierung übernehmen.

Was Deutschland erklärt

Das Auswärtige Amt betont, dass eine mögliche Mission keinesfalls als einseitige militärische Intervention verstanden werden dürfe.

Außenminister Wadephul erklärte, Deutschland werde sich nur beteiligen, wenn die erforderlichen „Voraussetzungen“ erfüllt seien. Dazu gehörten ein dauerhafter Waffenstillstand, die Zustimmung der betroffenen Regionalstaaten sowie eine klare rechtliche Grundlage für den Einsatz.

Bereits im Juni hatte die Deutsche Marine den Minenjagdboot Fulda sowie das Versorgungsschiff Mosel im Rahmen vorsorglicher Planungen in Richtung der Region entsandt.

Später wurde berichtet, dass sich beide Schiffe in Dschibuti befinden, während die Bundesregierung überprüft, ob eine internationale Mission unter den aktuellen politischen Umständen überhaupt noch realistisch ist.

Nach Berichten unter Berufung auf Verteidigungsminister Boris Pistorius erwägt Berlin inzwischen sogar, beide Schiffe zurückzuholen. Hintergrund ist die Ablehnung eines französischen Vorschlags zur gemeinsamen Minenräumung durch Iran.

Pistorius erklärte, es gebe „kein Szenario“, in dem die notwendigen Voraussetzungen in den kommenden Wochen erfüllt würden. Gleichzeitig schloss er eine spätere Beteiligung Deutschlands nicht grundsätzlich aus.

Irans Ablehnung

Teheran hat jede ausländische Beteiligung an einer Minenräumung in der Straße von Hormus entschieden zurückgewiesen.

Nach Darstellung iranischer Behörden liege die Verantwortung ausschließlich bei Iran selbst, und jede ausländische Einmischung würde die Situation zusätzlich erschweren.

Außenministeriumssprecher Esmaeil Baqaei erklärte, Iran kenne seine Verpflichtungen besser als jede andere Regierung und verfüge über alle notwendigen Fähigkeiten, um diese selbst zu erfüllen.

Diese Botschaft richtete sich nicht nur an Deutschland, sondern ebenso an Frankreich und andere europäische Staaten, die Bereitschaft zu einer defensiven Seemission signalisiert hatten.

Zugleich begründet Teheran seine Haltung mit Fragen der staatlichen Souveränität.

Nach iranischer Auffassung würde die Präsenz ausländischer Kriegsschiffe in der Straße von Hormus eine rote Linie überschreiten.

In der offiziellen Darstellung Irans ist die Minenräumung keine Aufgabe, die an ausländische Staaten übertragen werden sollte, sondern eine souveräne Verpflichtung des eigenen Staates.

Der rechtliche und politische Hintergrund

Die Diskussion über die Minenräumung steht im Zusammenhang mit einer umfassenderen Verständigung zwischen den Vereinigten Staaten und Iran über die Wiederöffnung der Straße von Hormus nach den jüngsten militärischen Auseinandersetzungen.

Nach Analysen des britischen Thinktanks Chatham House verpflichtet ein entsprechendes Memorandum Iran dazu, militärische Hindernisse innerhalb von 30 Tagen zu beseitigen. Daraus ergibt sich eine formelle Verantwortung Teherans für die Räumung der Wasserstraße.

Gleichzeitig weisen Experten darauf hin, dass Minenräumung in diesem Gebiet technisch äußerst anspruchsvoll ist und nur durch enge internationale Zusammenarbeit effizient durchgeführt werden kann.

Hinzu kommt, dass die iranischen Streitkräfte vor allem auf das Verlegen von Seeminen spezialisiert sind, während internationale Unterstützung bei deren Beseitigung von mehreren Regierungen als sinnvoll angesehen wird.

Deutschlands wiederholter Hinweis auf Zustimmung aller Beteiligten, eine eindeutige Rechtsgrundlage und die Zustimmung des Bundestages spiegelt zugleich innenpolitische Zwänge wider.

Ein solcher Einsatz müsste sowohl parlamentarisch als auch gesellschaftlich legitimiert sein.

Zudem will die Bundesregierung vermeiden, deutsche Soldaten oder Seeleute in ein Gebiet zu entsenden, dessen rechtlicher Status weiterhin umstritten ist.

Warum die Straße von Hormus so wichtig ist

Die Straße von Hormus gehört zu den bedeutendsten maritimen Engpässen der Welt.

Jede Unterbrechung des Schiffsverkehrs wirkt sich unmittelbar auf den Ölmarkt, Versicherungsprämien für Schiffe und den internationalen Handel aus.

Nach Einschätzung von Reuters könnte die vollständige Räumung der Wasserstraße mehrere Wochen dauern.

Hierfür wären sowohl klassische Minenjagdboote als auch moderne Unterwasserdrohnen erforderlich, bevor Reedereien wieder Vertrauen in die Sicherheit der Route gewinnen könnten.

Auch Chatham House geht davon aus, dass die Räumung zwischen 40 und 50 Tagen beanspruchen könnte.

Erst danach dürften Versicherungen, Reedereien und Energieunternehmen bereit sein, den regulären Schiffsverkehr vollständig wieder aufzunehmen.

Damit ist die Minenräumung längst nicht mehr nur eine militärisch-technische Aufgabe.

Sie entscheidet auch darüber, wer künftig die Sicherheitsarchitektur im Persischen Golf prägt und welche Rolle Iran dabei spielen wird.

Europas schwieriger Balanceakt

Die deutsche Position ist Teil eines umfassenderen europäischen Versuchs, weder als zu passiv noch als uneingeschränkt auf der Seite Washingtons wahrgenommen zu werden.

Einerseits möchte Berlin zur Wiederherstellung sicherer Schifffahrtswege beitragen und den internationalen Handel stabilisieren.

Andererseits lehnt Deutschland einen Einsatz ohne klare Rechtsgrundlage, regionale Zustimmung und eindeutig defensiven Charakter ab.

In einer gemeinsamen Erklärung begrüßten Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien den Waffenstillstand und erklärten ihre Bereitschaft zu einer

„rein defensiven und unabhängigen Mission“,

um die Sicherheit der Handelsschifffahrt zu gewährleisten und gegebenenfalls Minenräumungen durchzuführen.

Diese Formulierung unterstreicht, dass Europa die Mission ausdrücklich als stabilisierenden und nicht als eskalierenden Beitrag versteht.

Die Ablehnung Irans hat diesen Plan jedoch erheblich geschwächt.

Nachdem Teheran den französischen Kooperationsvorschlag zurückgewiesen und Deutschland den möglichen Rückzug seiner Schiffe angekündigt hat, erscheint eine multinationale Mission derzeit deutlich unwahrscheinlicher.

Die politischen Folgen für Berlin

Für Deutschland geht es in dieser Debatte um weit mehr als nur um die Beseitigung von Seeminen.

Mit Wadephuls Forderung, Iran müsse die Kosten übernehmen, weist Berlin dem Land öffentlich die Verantwortung für die entstandene Gefahr zu.

Diese Haltung dürfte innenpolitisch Zustimmung finden, da sie den Eindruck vermeidet, Deutschland müsse die Folgen einer von Iran verursachten Krise ohne Gegenleistung beseitigen.

Gleichzeitig könnte diese Position den Widerstand Teherans weiter verstärken, da aus einer praktischen Sicherheitsfrage zunehmend eine Debatte über Schuld und finanzielle Verantwortung wird.

Auch militärisch bleibt Berlin vorsichtig.

Verteidigungsminister Pistorius machte deutlich, dass die in Dschibuti stationierten Schiffe nicht unbegrenzt auf einen möglichen Einsatz warten werden.

Noch im Laufe des Sommers könnte die Bundesregierung entscheiden, ob sie dort verbleiben oder nach Deutschland zurückkehren.

Was die einzelnen Seiten erreichen wollen

Deutschland strebt eine rechtlich abgesicherte, zeitlich begrenzte und multinationale Mission an.

Sie soll sowohl von den Vereinigten Staaten als auch von Iran sowie möglichst auch von regionalen Staaten wie Oman unterstützt werden.

Zudem soll sich der Einsatz ausschließlich auf den Schutz der zivilen Schifffahrt und die Wiederherstellung sicherer Handelswege konzentrieren.

Iran verfolgt hingegen das Ziel, seine Souveränität über die Straße von Hormus zu wahren und ausländische Kriegsschiffe aus seinem unmittelbaren Sicherheitsbereich fernzuhalten.

Zugleich möchte Teheran verhindern, dass ausländische Staaten künftig Minen in Gewässern räumen, die Iran als Teil seines strategischen Einflussbereichs betrachtet.

Die Vereinigten Staaten wiederum spielen eine Schlüsselrolle für die gesamte politische Einigung, da sowohl die Wiederöffnung der Straße von Hormus als auch die Umsetzung des Waffenstillstands eng mit Washingtons diplomatischer Rolle verbunden sind.

Deutschlands Botschaft ist inzwischen eindeutig.

Berlin ist grundsätzlich bereit, sich an einer Minenräumung in der Straße von Hormus zu beteiligen – allerdings nur unter strengen rechtlichen und politischen Voraussetzungen.

Gleichzeitig vertritt die Bundesregierung die Auffassung, dass Iran die Kosten übernehmen sollte, sofern das Land für die Entstehung der Gefahr verantwortlich ist.

Mit dieser Position verbindet Deutschland die Unterstützung der internationalen maritimen Sicherheit mit dem Grundsatz politischer Verantwortung.

Berlin macht damit deutlich, dass europäische Hilfe nicht ohne Bedingungen erfolgt und dass Iran nach deutscher Auffassung Verantwortung für die Folgen seines Handelns übernehmen muss.