Während Donald Trump ein Jahr seiner zweiten Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten vollendet, bewegen sich deutsche Unternehmen in einem deutlich raueren Umfeld des transatlantischen Handels und der Investitionen. Eine ehemals stabile Wirtschaftsbeziehung ist durch handelspolitische Kurswechsel, Zollandrohungen, geopolitische Rhetorik und wirtschaftliche Unsicherheit aus Washington ins Wanken geraten. Viele deutsche Firmen reagieren darauf, indem sie auf Vorsicht setzen, Risiken neu bewerten und ihre Strategien anpassen.
Angespannte Geschäftslage
Über weite Teile des Jahres 2025 hinweg haben deutsche Unternehmen mit starkem USA-Bezug davor gewarnt, dass höhere Zölle und protektionistische Maßnahmen ihre Geschäfte belasten. Laut den Auslandshandelskammern (AHK) bleibt die Stimmung unter deutschen Firmen angespannt, wobei Zollandrohungen zu den größten Belastungsfaktoren zählen.
Zwar bleiben die USA ein zentraler Exportmarkt für Deutschland – deutsche Unternehmen gehören zu den wichtigsten ausländischen Arbeitgebern in den Vereinigten Staaten –, doch das Geschäftsklima hat sich spürbar verschlechtert. Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass die deutschen Exporte in die USA im Jahr 2025 deutlich zurückgingen, was die unmittelbaren wirtschaftlichen Folgen der veränderten Handelspolitik unterstreicht.
Zölle und Handelsabhängigkeit
Ein Großteil der Unsicherheit geht auf Trumps Zollstrategie zurück. Die US-Regierung hat Zölle auf eine Reihe von Importen aus der Europäischen Union eingeführt oder angedroht, darunter Stahl, Aluminium, Maschinenbauprodukte und Fahrzeuge – allesamt Kernbereiche der deutschen Industrie. Selbst dort, wo die Zölle niedriger ausfielen als zunächst angekündigt, erhöhen sie die Kosten und stören etablierte Lieferketten.
Für viele Unternehmen bedeutet das schwierige Entscheidungen:
- Automobilindustrie: Deutsche Autobauer wie BMW und Mercedes sind weiterhin auf dem US-Markt präsent, kämpfen jedoch mit sinkenden Gewinnmargen und überprüfen ihre Export- und Produktionsstrategien.
- Maschinen- und Anlagenbau: Zusätzliche Nachweispflichten zur Herkunft von Materialien erhöhen den bürokratischen Aufwand und verteuern Exporte.
Diese Hürden haben nicht nur zu rückläufigen Exporten geführt, sondern auch die allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit in der stark exportorientierten deutschen Wirtschaft verstärkt.
Veränderte Investitionsentscheidungen
Die Unsicherheit wirkt sich auch auf Investitionen aus. Branchenumfragen zeigen, dass viele deutsche Unternehmen geplante Investitionen in den USA verschoben, reduziert oder ganz gestrichen haben. Eine Umfrage des ifo-Instituts ergab, dass fast 30 Prozent der befragten Unternehmen Investitionen aufgeschoben und 15 Prozent Projekte vollständig aufgegeben haben – vor allem wegen der unberechenbaren Handelspolitik.
Diese Entwicklung ist bedeutsam, da deutsche Direktinvestitionen traditionell eine wichtige Rolle für Beschäftigung und Wertschöpfung in den USA spielen. Die enge wirtschaftliche Verflechtung erschwert einen schnellen Rückzug vom US-Markt, selbst wenn Unternehmen ihre langfristigen Engagements neu bewerten.
Abhängigkeit von US-Technologie
Hinzu kommt die starke Abhängigkeit deutscher Unternehmen von US-Technologie. Laut einer Bitkom-Umfrage sind über 80 Prozent der Firmen auf US-Importe bei Hard- und Software sowie digitalen Dienstleistungen angewiesen. Mehr als die Hälfte der Unternehmen überarbeitet ihre Strategien, um mögliche Risiken durch die US-Wirtschaftspolitik abzufedern.
Diese Abhängigkeit macht deutlich, dass politische Entscheidungen in den USA nicht nur den Warenhandel, sondern auch zentrale digitale Lieferketten betreffen können. Einige Firmen prüfen daher eine stärkere technologische Eigenständigkeit oder eine Diversifizierung ihrer Zulieferer, insbesondere in sensiblen Bereichen wie Cybersicherheit und Halbleitertechnologie.
Strategien: Anpassung und Diversifizierung
Deutsche Unternehmen reagieren mit unterschiedlichen Ansätzen auf die neue Lage:
- Anpassung der Produktion: Einige Firmen verlagern Teile ihrer Produktion näher an den US-Markt, um Zölle zu umgehen. Dies ist jedoch nicht überall möglich, da spezialisierte Produkte oft hochkomplexe Lieferketten erfordern.
- Risikomanagement: Unternehmen kalkulieren geringere Margen ein, verschärfen Kostenkontrollen und bereiten sich auf weitere handelspolitische Unsicherheiten vor.
- Diversifizierung der Märkte: Viele Firmen verstärken ihr Engagement innerhalb der EU oder suchen Wachstumsmöglichkeiten in Asien und Indien, um die Abhängigkeit vom US-Markt zu verringern.
- Politische Einflussnahme: Wirtschaftsverbände intensivieren den Dialog mit der Politik in Berlin und Brüssel, um verlässlichere Handelsbedingungen und Entlastungen zu erreichen.
Gesamtwirtschaftliche Auswirkungen
Die transatlantischen Spannungen treffen eine deutsche Wirtschaft, die ohnehin mit strukturellen Herausforderungen wie schwachem Wachstum und globalem Wettbewerbsdruck konfrontiert ist. Ökonomen warnen, dass anhaltende Zölle das Wirtschaftswachstum weiter dämpfen könnten. Schätzungen zufolge könnten die Handelsbarrieren das deutsche Bruttoinlandsprodukt spürbar reduzieren.
Die Bundesregierung setzt daher verstärkt auf wirtschaftliche Resilienz und europäische Souveränität. Dazu gehören Investitionen in heimische Produktionskapazitäten, stärkere europäische Lieferketten und eine breitere Aufstellung im Welthandel.
Ein Jahr nach Trumps Amtsantritt bleiben deutsche Unternehmen vorsichtig. Ein massenhafter Rückzug aus den USA ist bislang nicht zu beobachten, doch eine strategische Neuausrichtung ist im Gange. Unternehmen passen Investitionen an, überdenken Lieferketten und suchen neue Absatzmärkte.
Die transatlantische Wirtschaftsbeziehung, lange ein Stabilitätsanker der globalen Wirtschaft, steht unter Druck. Für deutsche Firmen geht es nun darum, kurzfristige Risiken zu bewältigen und zugleich langfristig widerstandsfähige Geschäftsmodelle zu entwickeln – in einer Welt wachsender geopolitischer Unsicherheiten.