Der deutsche Wohnungsmarkt ist längst nicht mehr nur eine Frage von Angebot und Nachfrage. Er ist zur Frontlinie sozialer Ungleichheit geworden, auf der Immigranten benachteiligt auf dem deutschen Wohnungsmarkt zunehmend an den Rand gedrängt werden. Ein angespannter Mietmarkt, explodierende Mieten und anhaltende ethnische und rassistische Diskriminierung haben eine vielschichtige Krise geschaffen: Neuankömmlinge in Deutschland haben Schwierigkeiten, stabile und bezahlbare Wohnungen zu finden, und wenn sie es schaffen, zahlen sie oft mehr oder leben unter schlechteren Bedingungen als ihre deutschstämmigen Nachbarn.
Diese Schnittstelle von Wohnraummangel und Diskriminierung ist kein bloßer Nebeneffekt der Migrationspolitik; sie ist zentral dafür, wie Integration, Bildung und Teilhabe am Arbeitsmarkt verlaufen. Wenn Migranten der Zugang zu angemessenem Wohnraum verwehrt wird, wird ihnen auch der Zugang zu stabilen Nachbarschaften, verlässlichen Schulen und planbaren Arbeitswegen verwehrt – alles Elemente, die langfristige soziale Mobilität ermöglichen
Das Ausmaß der Benachteiligung: Zahlen und Trends
Daten zeigen, dass Immigranten benachteiligt auf dem deutschen Wohnungsmarkt ein charakteristisches Muster wirtschaftlicher und räumlicher Ausgrenzung erleben. Eine repräsentative Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes aus dem Jahr 2021 ergab, dass etwa ein Drittel der Menschen mit Migrationshintergrund angab, bei der Wohnungssuche Rassismus oder ethnische Diskriminierung erfahren zu haben. In vielen Fällen geschah dies schon, bevor sie überhaupt eine Wohnung besichtigen konnten, während der ersten Vorauswahl der Bewerbungen.
Bemerkenswerterweise gaben etwa 53 % der Personen mit Migrationshintergrund an, später im Mietprozess aufgrund ihrer Herkunft von einem Mietabschluss ausgeschlossen worden zu sein – oft nachdem ihnen eine Besichtigung zugesagt oder sie auf eine Liste gesetzt worden waren. Etwa jeder vierte Befragte berichtete, höhere Mieten oder Kaufpreise als deutschstämmige Bewerber mit ähnlichem finanziellen Profil zu zahlen, was darauf hindeutet, dass einige Vermieter effektiv einen „Fremdenaufschlag“ verlangen.
Migrantenhaushalte geben zudem einen größeren Anteil ihres ohnehin niedrigeren Einkommens für Mieten aus. Ein Bericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes von 2025 dokumentierte, dass Migranten im Durchschnitt 28,1 % ihres Nettoeinkommens für Miete zahlen, während es bei nicht-migrantischen Haushalten 24,6 % sind. Das durchschnittliche Nettoeinkommen von Migranten liegt jedoch bei etwa 23.500 € pro Jahr, während nicht-migrantische Deutsche rund 29.700 € verdienen – die Schere in der Bezahlbarkeit von Wohnraum vertieft sich somit weiter.
Die Eigentumslücke ist noch deutlicher. 2021 lebte über die Hälfte der Deutschen ohne Migrationshintergrund in ihrem eigenen Zuhause, während nur etwa ein Drittel der Migranten Eigentümer waren, was sie in eine langanhaltende Abhängigkeit von einem zunehmend unflexiblen Mietmarkt bringt. Die Armutsgefährdungsquote unter Migranten liegt bei rund 31,8 %, etwa 8 Prozentpunkte höher als 2010, und diese Verwundbarkeit ist eng mit Wohnkosten und Überbelegung verbunden
Wie Diskriminierung die Wohnungssuche beeinflusst
Die Erfahrung von Immigranten benachteiligt auf dem deutschen Wohnungsmarkt dreht sich nicht nur um den Preis; es geht darum, wie sie im Prozess selbst behandelt werden. Studien mit sogenannten Korrespondenztests – bei denen identische Mietbewerbungen sich nur im Namen oder der angegebenen Herkunft unterscheiden – haben gezeigt, dass Bewerbungen mit ausländisch klingenden Namen seltener Antworten oder Besichtigungseinladungen erhalten als solche mit typischen deutschen Namen. Eine groß angelegte Studie fand heraus, dass rund 20 % der Migrantenbewerber nie zu Wohnungsbesichtigungen eingeladen wurden, während deutsche Bewerber mit ähnlichem Profil durchweg eingeladen wurden, was auf systematische Vorauswahl in der ersten Stufe hinweist.
In manchen Fällen sind Vermieter explizit. 2021 berichteten etwa 15 % der Befragten mit Migrationshintergrund, dass sie Anzeigen gesehen oder davon gehört hätten, die explizit Ausländer ausschlossen, wie etwa „nur deutsche Bewerber erwünscht“. Andere beschrieben subtilere, aber dennoch erkennbare Signale: zu hören, eine Wohnung sei „bereits vergeben“, nachdem ein vielversprechender Telefonkontakt stattgefunden hatte, oder aufdringliche Fragen zu Nationalität, Religion oder Familiengröße gestellt zu bekommen, die deutschstämmigen Bewerbern nicht gestellt wurden.
Einige Deutsche, selbst solche mit deutscher Staatsbürgerschaft, sind ebenfalls betroffen. Wie ein Befragter in einer Umfrage von 2020 sagte: „Wenn ich ihnen meinen Namen und mein Aussehen nenne, behandeln sie mich, als wäre ich kein Deutscher, obwohl ich Staatsbürger bin.“ Diese Wahrnehmung – dass „fremd klingende Namen oder Aussehen“ Menschen zu weniger wünschenswerten Mietern macht – zeigt, dass Diskriminierung nicht nur auf rechtlichem Status beruht, sondern auf sichtbaren Unterschieden. Vertreter der Zivilgesellschaft argumentieren, dass dieses Umfeld Vorurteile normalisiert und viele Migranten zögern lässt, Beschwerden einzureichen, aus Angst vor Kündigung oder weiterer Marginalisierung.
Überbelegung, schlechte Wohnqualität und soziale Ausgrenzung
Wenn Immigranten benachteiligt auf dem deutschen Wohnungsmarkt doch eine Wohnung finden, sind die Bedingungen oft schlechter. Daten des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes zeigen, dass Migrantenhaushalte häufig in kleineren Wohnungen mit weniger Quadratmetern pro Person leben, obwohl sie oft größere Familien haben. Überbelegung und unzureichender Raum erschweren das Lernen, das Arbeiten von zu Hause oder die Aufrechterhaltung einer ruhigen Umgebung für Kinder, was langfristig Bildungs- und Arbeitsmarktchancen beeinflussen kann.
Die Wohnqualität ist ebenfalls ungleich. Einige Migranten sind in älteren, schlecht isolierten Gebäuden oder in Gebieten mit eingeschränkter Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr konzentriert, was Pendelkosten erhöht und den Zugang zu besser bezahlten Arbeitsplätzen einschränkt. Gleichzeitig haben steigende Mieten und Wohnkosten viele einkommensschwache und migrantische Haushalte in überbelegte Wohngemeinschaften oder minderwertige Privatunterkünfte gedrängt, wo Vermieter informelle Regelungen ausnutzen, die schwer zu überwachen oder zu regulieren sind.
Diese räumliche Konzentration fördert ein Gefühl sozialer Ausgrenzung. Eine Studie von 2026, die Wohnungsdaten mit Integrationsindikatoren verknüpfte, zeigte, dass Neuankömmlinge in schlecht integrierten Vierteln mit hohen Mieten und wenigen sozialen Dienstleistungen weniger wahrscheinlich eine berufliche Ausbildung abschließen oder innerhalb der ersten fünf Jahre nach der Ankunft eine stabile Beschäftigung sichern. Mit anderen Worten: Die Wohnungsnot ist nicht nur ein ökonomisches Problem, sondern ein Integrationshindernis.
Öffentliche Einstellungen und Normalisierung von Vorurteilen
Die Behandlung von Immigranten benachteiligt auf dem deutschen Wohnungsmarkt spiegelt sich in den Einstellungen der Allgemeinbevölkerung wider. Umfragen zeigen, dass etwa 40 % der Deutschen angeben, „sehr“ oder „etwas“ besorgt zu sein, wenn ein Migrant in ihre Nachbarschaft zieht, und 83 % vermuten, dass Rassendiskriminierung auf dem Wohnungsmarkt häufig vorkommt. Diese Zahlen deuten darauf hin, dass viele Deutsche prinzipiell gegen offenen Rassismus sind, aber zugleich ambivalent oder resigniert gegenüber den alltäglichen Praktiken, die Migranten in schlechtere Wohnungen drängen.
Gleichzeitig wächst das Bewusstsein bei politischen Entscheidungsträgern. Vertreter der Antidiskriminierungsstelle des Bundes erklärten, dass
„der Wohnungsmarkt eines der Hauptfelder ist, auf dem Menschen mit Migrationshintergrund Diskriminierung erfahren“,
und dass
„systemische Diskriminierung und ein angespannter Wohnungsmarkt zusammen eine doppelte Belastung für Migranten schaffen“.
Wohlfahrtsverbände warnen, dass ohne stärkere Durchsetzung und Kontrolle Antidiskriminierungsgesetze weitgehend symbolisch bleiben.
Einige zivilgesellschaftliche Aktivisten weisen darauf hin, dass das Problem durch schwachen rechtlichen Schutz im privaten Mietsektor verschärft wird. Antidiskriminierungsgesetze lassen sich leichter im öffentlichen oder staatlich geförderten Wohnraum anwenden als in privat geführten Wohnungen, wo Vermieter vage Ablehnungsgründe anführen können und Mieter nur begrenzte Möglichkeiten haben, sich dagegen zu wehren. Wie ein Vertreter für Wohnrechte sagte: „Wenn man Diskriminierung nicht