Deutschland versucht, Rüstungsfirmen vor China — und sogar vor den USA zu schützen

Deutschland versucht, Rüstungsfirmen vor China — und sogar vor den USA zu schützen

Während Berlin einen beispiellosen Ausbau seiner Militär- und Rüstungsindustrie einleitet, steht Deutschland vor einem neuen strategischen Dilemma: Wie können die eigenen Rüstungsunternehmen vor übermäßiger Abhängigkeit von geopolitischen Rivalen — nicht nur China, sondern zunehmend auch den Vereinigten Staaten — geschützt werden? Dieser Wandel spiegelt breitere Entwicklungen in der globalen Politik, die veränderte Sicherheitslandschaft und Bedenken hinsichtlich wirtschaftlicher und technologischer Abhängigkeiten wider, die die nationale Autonomie und Einsatzbereitschaft untergraben könnten.

Ein Billionen-Euro-Militäraufbau unter Beobachtung

Die Bundesregierung hat in den letzten Jahren eine nahezu Billionen-Euro-Erweiterung ihrer militärischen Fähigkeiten eingeleitet, als Teil eines breiteren europäischen Vorstoßes zur Aufrüstung angesichts der erneuten Konkurrenz zwischen Großmächten. Während Politiker und Industrieplaner Jahrzehnte erhöhter Verteidigungsausgaben vorbereiten, treten Fragen über die zugrunde liegenden Abhängigkeiten der deutschen Rüstungsindustrie auf — insbesondere in Bezug auf ausländische Partner und Lieferketten.

Die Sorge konzentriert sich auf zwei kontrastierende externe Mächte: China, dessen Aufstieg im globalen Handel und in strategischen Sektoren Sicherheitsbedenken aufwirft, und die Vereinigten Staaten, Deutschlands traditionell engster Verbündeter, dessen jüngste politische Entwicklungen Berlin jedoch veranlassen, alte Abhängigkeiten und Beschaffungspraktiken zu überdenken.

China: Wirtschaftliche Verflechtung trifft strategisches Risiko

Jahrzehntelang wurde chinesische Investition und Handel mit Deutschland als wirtschaftliche Chance betrachtet. Deutsche Unternehmen exportierten Fahrzeuge, Maschinen und High-Tech-Produkte nach China, während chinesische Firmen in deutsche Industriebetriebe investierten. Diese wirtschaftliche Verflechtung wird jedoch zunehmend als strategische Schwachstelle interpretiert.

Dies betrifft besonders die Verteidigungsindustrie, in der kritische Materialien und Komponenten — darunter seltene Erden und spezielle Legierungen — unverzichtbar sind. China dominiert die globale Produktion vieler dieser Materialien und die Verarbeitungskapazitäten für Technologien, die für die moderne Verteidigungsproduktion entscheidend sind.

Branchenexperten warnen, dass chinesische Exportkontrollen und geopolitische Einflussnahme die europäische Verteidigungsbereitschaft direkt gefährden könnten. Neue Beschränkungen für den Export wichtiger Materialien für militärische Zwecke verdeutlichen, wie China Produktionslinien stören und kritische Systeme verzögern könnte.

Um diesen Risiken zu begegnen, haben die deutsche Regierung und die Europäische Union Strategien zur „Risikominimierung“ entwickelt — Maßnahmen zur Reduzierung der Abhängigkeit bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung des offenen Handels, wo möglich. Berlin signalisiert Unterstützung für inländische Innovationen und die Diversifizierung von Lieferketten, um Überexposition gegenüber Beijing zu vermeiden.

Staatliche Unterstützung für Industrie und strategische Autonomie

Führungskräfte der deutschen Rüstungsindustrie haben offen erklärt, dass die Verringerung der Abhängigkeit von China aktive staatliche Unterstützung erfordert. Hans Christoph Atzpodien, Leiter des Bundesverbands der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie, betonte, dass der US-Verteidigungssektor einen Großteil seiner Abhängigkeit von chinesischen Inputs erfolgreich reduziert habe — ein Schritt, den Deutschland nachahmen müsse, um global wettbewerbsfähig zu bleiben.

Als Reaktion darauf hat Berlin Strategien zur Stärkung der inländischen Verteidigungsproduktion entwickelt. Dazu gehören spezielle Finanzrahmen, Anreize für Forschung und Entwicklung und Maßnahmen zur Bindung qualifizierter Fachkräfte an die Industrie. In einigen Ausnahmefällen ist die Regierung sogar bereit, Anteile an Rüstungsunternehmen zu übernehmen, um Versorgung und Fähigkeiten zu sichern, die für die nationale Sicherheit entscheidend sind.

Diese Politik spiegelt breitere europäische Bestrebungen zur Verteidigungsautonomie wider — insbesondere den von deutschen Politikern propagierten „Europa zuerst“-Ansatz, der den Kauf europäischer Rüstungsgüter gegenüber amerikanischen Systemen betont. Berichten zufolge sollen ein erheblicher Teil der geplanten deutschen Beschaffungen europäische Anbieter bevorzugen, wodurch die Beteiligung US-amerikanischer Auftragnehmer im Vergleich zu früheren Jahrzehnten deutlich reduziert wird.

Neuausrichtung der transatlantischen Verteidigungsbeziehungen

Deutschlands Verteidigungsstrategie steht nicht isoliert. Sie ist eng mit der NATO und den transatlantischen Sicherheitsstrukturen verbunden. Dennoch haben jüngste politische Entwicklungen — insbesondere unter US-Führung, die NATO-Normen herausgefordert und europäische Verbündete zu höheren Verteidigungsausgaben gedrängt hat — Berlin veranlasst, seine Position neu zu kalibrieren.

Die Abkehr von der Abhängigkeit von den USA bedeutet nicht, das Bündnis aufzugeben. Sie spiegelt vielmehr den strategischen Wunsch nach größerer europäischer Souveränität in Beschaffungs- und Produktionsprozessen wider. Während die USA weiterhin technologisch führend im militärischen Bereich sind, argumentieren deutsche Entscheidungsträger, dass eine übermäßige Abhängigkeit von amerikanischen Systemen Europa verwundbar für politische Veränderungen in Washington mache und die Fähigkeit einschränke, in künftigen Krisen unabhängig zu handeln.

Dieser Kurswechsel steht im Einklang mit Debatten in der EU über die Stärkung der europäischen Verteidigungsindustrie und die Verringerung der Abhängigkeit von externen Lieferanten durch gemeinsame Finanzierungsmechanismen und strategische Konsolidierung. Initiativen wie das vorgeschlagene E6-Format, das eine beschleunigte Verteidigungskooperation zwischen wichtigen EU-Staaten vorsieht, verdeutlichen Bemühungen um eine tiefere europäische Sicherheitsintegration neben traditionellen Allianzen.

Wirtschaftliche Komplexitäten und Realität der Industrie

Trotz staatlicher Ambitionen ist die Realität komplex. Deutsche Rüstungs- und Technologieunternehmen sind weiterhin tief in globale Lieferketten eingebunden, die sowohl China als auch die USA einschließen. Einige Unternehmen investieren weiterhin in China, obwohl die Politik zur Diversifizierung drängt, was die Spannungen zwischen wirtschaftlichen Interessen und nationalen Sicherheitszielen widerspiegelt.

Darüber hinaus betont die politische Rhetorik zwar die Abhängigkeit von außen zu reduzieren, jedoch sehen sich deutsche Unternehmen praktischen Beschränkungen gegenüber. Chinas Markt bleibt für viele Branchen wichtig, und Chinas Kontrolle über bestimmte Rohstoffe und Verarbeitungskapazitäten lässt sich nicht über Nacht ersetzen. Ebenso kann die technologische Führungsrolle der USA in Halbleitern und fortschrittlichen Systemen von europäischen Konkurrenten nicht schnell repliziert werden, was eine Zusammenarbeit in einigen Bereichen notwendig macht.

Strategische nationale Sicherheitsbedenken

Deutschlands Kurs spiegelt auch wachsende Sorgen über Spionage und ausländischen Einfluss wider, die eine verstärkte Überprüfung von Verteidigungs- und Hochtechnologiesektoren erforderlich machen. Jüngste Strafverfahren deutscher Gerichte gegen Personen, die verdächtigt werden, sensible Informationen an chinesische Geheimdienste weitergegeben zu haben, unterstreichen, wie geopolitischer Wettbewerb innerhalb der nationalen Sicherheit zum Tragen kommt.

Behörden wie das Bundesamt für Verfassungsschutz und der Militärische Abschirmdienst sind Teil der Bemühungen, kritische Infrastruktur und Verteidigungsanlagen vor externen Bedrohungen zu schützen, was den politischen Hintergrund erklärt, vor dem die Industriepolitik neu gestaltet wird.

Eine neue strategische Ära für die deutsche Verteidigungsindustrie

Während Deutschland versucht, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Interessen angesichts wachsender geopolitischer Konkurrenz in Einklang zu bringen, spiegeln die Bemühungen, Rüstungsfirmen vor übermäßiger Abhängigkeit von China zu schützen und die Beziehung zu den USA neu auszurichten, tiefere Verschiebungen in den globalen Machtverhältnissen wider. Die Hinwendung zur Autonomie in der Rüstungsproduktion — bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung strategischer Partnerschaften — unterstreicht Berlins Bestreben, eine selbstständigere Rolle in der europäischen und globalen Sicherheit zu spielen.

Ob Deutschland strategische Abhängigkeiten vollständig reduzieren kann, ohne Wettbewerbsfähigkeit oder transatlantische Zusammenarbeit zu gefährden, bleibt offen. Klar ist jedoch: Berlin erkennt zunehmend, dass Industriestrategie, nationale Sicherheit und Wirtschaftspolitik zunehmend untrennbar miteinander verbunden sind.