Die Trump-Regierung empfing die deutsche Rechte ein kontroverser transatlantischer Moment

Die Trump-Regierung empfing die deutsche Rechte: ein kontroverser transatlantischer Moment

In den letzten Monaten sind politische Beobachter in Europa und den USA über eine ungewöhnliche diplomatische Entwicklung gestolpert: Vertreter der deutschen rechtspopulistischen Partei Alternative für Deutschland (AfD) haben sich in Washington mit hochrangigen Mitarbeitern der Trump-Regierung getroffen. Das zog scharfe Kritik und Debatten darüber nach sich, ob die USA in die deutsche Innenpolitik eingreifen und welchen Einfluss die rechte Populismuswelle auf die westliche Allianz hat.

Eine seltene Begrüßung für eine marginalisierte Partei

Die AfD, die in der deutschen Politik lange ausgegrenzt wurde, verzeichnet in Umfragen steigende Unterstützung und hat in den Bundestag Einzug gehalten. Trotz dieses Wahlerfolgs haben die etablierten deutschen Parteien eine sogenannte „Feuerwand“ gegen jegliche Zusammenarbeit mit der AfD aufrechterhalten – wegen ihrer harten Rhetorik zu Einwanderung, Islam und nationaler Identität sowie ihrer Einstufung als „Verdachtsfall“ durch den deutschen Inlandsgeheimdienst.

Dennoch reisten in den Jahren 2025 und 2026 hochrangige AfD-Funktionäre – darunter die stellvertretende Parteivorsitzende Beatrix von Storch und weitere Bundestagsabgeordnete – nach Washington und führten eine Reihe von Treffen mit US-Beamten, darunter auch Vertreter der Trump-Regierung, durch. Laut Berichten fanden diese Gespräche unter anderem im Eisenhower Executive Office Building statt und bezogen Mitarbeiter des Büros des Vizepräsidenten, des Nationalen Sicherheitsrats und des Außenministeriums ein.

Von Storch beschrieb die Treffen auf der Plattform X als

„sehr offen, konstruktiv und zielorientiert“,

was ein Maß an Engagement zeigt, das weit über die übliche diplomatische Distanz hinausgeht, die westliche Hauptstädte normalerweise gegenüber rechtsextremen Parteien wahren.

Warum das Engagement der Trump-Regierung wichtig ist

In der Nachkriegszeit haben die USA Europa politisch vorsichtig behandelt und vermieden, Parteien mit extremistischen Assoziationen offen zu unterstützen oder zu legitimieren. Die AfD hat jedoch eine Geschichte nationalistischer, einwanderungsfeindlicher Rhetorik und wird in Deutschland vom Verfassungsschutz als Partei beobachtet – normalerweise ein Grund, die Zusammenarbeit mit westlichen Hauptstädten zu vermeiden. 

Unter der Führung von Präsident Donald Trump haben sich die ideologischen Strömungen innerhalb der US-Konservativen jedoch deutlich verschoben. Ein Teil des Trump-ökosystems – besonders der MAGA-Flügel – zeigt ideologische Sympathien für die Positionen der AfD, darunter restriktive Einwanderungspolitik, Skepsis gegenüber Multikulturalismus und eine harte Haltung gegen „woke culture“.

Dies hat eine Erwärmung der Beziehungen begünstigt. Berichten zufolge beinhalteten die AfD-Delegationsbesuche in Washington nicht nur Treffen mit Mitarbeitern niedrigerer Ebenen, sondern auch Sitzungen mit Personen in der Nähe von Vizepräsident J.D. Vance und anderen politisch wichtigen Figuren innerhalb der Regierung.

Eine Interpretation ist, dass diese Treffen der AfD eine Art externe Legitimität verschaffen – sowohl in Deutschland als auch international. Ein Besuch in Washington, besonders wenn es Treffen mit hochrangigen US-Beamten gibt, kann von der Partei genutzt werden, um ihre Erzählung zu stärken, sie sei eine ernstzunehmende politische Kraft und nicht nur ein Randphänomen. Das kann dazu beitragen, das Stigma ihrer extremistischen Einstufung im Inland zu mildern.

Deutscher und europäischer Widerstand

Die Rezeption der AfD in Deutschland und Europa ist stark kritisch. Deutsche politische Führungskräfte – von Kanzler Friedrich Merz bis zu anderen etablierten Figuren – haben ausdrücklich vor einer Einmischung der USA in ihre Innenpolitik gewarnt. Merz betonte kürzlich, die Trump-Regierung solle

„sich aus der deutschen Politik raushalten“,

was die Sorge widerspiegelt, dass amerikanische Kontakte zur AfD eine unerwünschte Grenze überschreiten könnten.

Es gibt auch erhebliches Unbehagen unter europäischen Führungskräften, dass US-Beamte öffentlich mit einer Partei interagieren, die stark mit einwanderungsfeindlichen Ansichten und Nationalismus assoziiert wird. Deutschlands historische Kontext – insbesondere die NS-Vergangenheit – verstärkt diese Bedenken. Die bisherigen Regierungen und etablierten Parteien haben eine starke Tabu gegenüber der Normalisierung rechter Politik auf nationaler Ebene aufrechterhalten, was US-Annäherungen an die AfD besonders kontrovers macht.

Die Kritik in Europa beschränkt sich nicht auf Deutschland. In der EU fürchten viele politische Führer, dass eine amerikanische Unterstützung, selbst wenn sie indirekt oder implizit ist, rechte Bewegungen in ganz Europa stärken und die Einheit in Fragen wie Ukraine, NATO-Verpflichtungen und Wirtschaftspolitik schwächen könnte.

Die US-Perspektive und strategische Überlegungen

Aus Sicht der Trump-Regierung passt die Zusammenarbeit mit europäischen Rechtspopulisten zu ihren außenpolitischen Prioritäten. Trump und seine Berater betonen häufig nationale Souveränität, Skepsis gegenüber globalen Institutionen und eine harte Einwanderungspolitik – Elemente, die mit Parteien wie der AfD übereinstimmen. Unterstützer der Regierung argumentieren, dass Treffen mit verschiedenen politischen Akteuren, einschließlich Oppositionsfiguren, Teil normaler diplomatischer Kontakte seien und keine Bevorzugung bedeuten.

Kritiker in den USA und im Ausland argumentieren jedoch, dass das Muster der Kontakte über harmlose Diplomatie hinausgeht. Vizepräsident Vance hat beispielsweise öffentlich die Logik der deutschen „Feuerwand“ in Frage gestellt, die Zusammenarbeit mit der AfD verhindert, und stattdessen argumentiert, die etablierten Parteien seien vom „Willen des Volkes“ entfremdet. Diese Rhetorik passt unangenehm gut zur AfD-Erzählung, wonach sie gegen eine Elite kämpft, die demokratische Ausdrucksformen unterdrückt. 

Die außenpolitischen Schritte der Trump-Regierung – einschließlich einer nationalen Sicherheitsstrategie, die europäische politische Dynamiken durch die Linse von Migration als Zivilisationsbedrohung betrachtet – stimmen ebenfalls mit zentralen AfD-Positionen überein. AfD-Führer begrüßten diese Strategie und sagten, sie bestätige ihre langjährigen Warnungen vor Migration und kulturellem Wandel, und nutzten sie als Rechtfertigung für eine engere Zusammenarbeit mit Washington.

Folgen für die deutsche Politik und transatlantische Beziehungen

Die Empfänge der AfD durch die US-Regierung haben erhebliche Auswirkungen auf die deutsche Innenpolitik. Die steigenden Umfragewerte der Partei, kombiniert mit sichtbarer internationaler Anerkennung, stellen eine wachsende Herausforderung für den traditionellen Nachkriegs-Konsens dar, der extremistische Parteien von der Regierungsbeteiligung ausschließt. Die etablierten Parteien stehen zunehmend unter Druck, ihre Strategien neu zu definieren, was Koalitionsbildungen weiter erschwert.

Auch die transatlantischen Beziehungen werden durch diese Entwicklungen belastet. Berlin hat wiederholt Respekt vor seiner politischen Souveränität eingefordert und gegen wahrgenommene amerikanische Einmischung protestiert. Diese Spannungen kommen zu einem heiklen Zeitpunkt für die NATO und die europäische Sicherheit, da Themen wie die Verteidigung der Ukraine und die Zusammenarbeit bereits auf die Probe gestellt wurden.

Einige Analysten in Brüssel warnen, dass eine US-Ausrichtung auf europäische rechte Bewegungen ähnliche Parteien in ganz Europa ermutigen und die Einheit in wichtigen Politikbereichen schwächen könnte. Andere argumentieren, dass diese Kontakte nicht zwangsläufig entscheidend seien, sondern eine sich entwickelnde ideologische Übereinstimmung im westlichen konservativen Spektrum widerspiegeln.

Fazit: Wendepunkt oder vorübergehendes Phänomen?

Die Kontakte der Trump-Regierung zur deutschen Rechten haben tiefere Risse in den transatlantischen Beziehungen offengelegt und grundlegende Fragen darüber aufgeworfen, welche Rolle Innenpolitik in der internationalen Diplomatie spielen sollte. Während US-Beamte betonen, dass solche Kontakte normal seien, sehen viele europäische Beobachter darin ein beunruhigendes Zeichen für verschobene Prioritäten – ein Signal, das extremistische Bewegungen unbeabsichtigt stärken und nachkriegsdemokratische Normen in Deutschland und darüber hinaus untergraben könnte.

Wie beide Seiten diese Komplexitäten navigieren, bleibt unklar. Klar ist jedoch, dass die traditionellen Grenzen, die einst den Umgang zwischen Regierungen und Randparteien regelten, auf bislang ungeahnte Weise getestet werden.